des Fördervereins Brandenburger Symphoniker e.V. und des
Fördervereins Freunde des Brandenburger Theaters e.V.
an die Stadtverordneten der Stadt Brandenburg an der Havel
Brandenburg, den 26. Januar 2025
Sehr geehrte Stadtverordnete,
wir, die beiden Fördervereine des Brandenburger Theaters und der Brandenburger
Symphoniker, blicken äußerst besorgt auf die Haushaltspläne der Stadt, die in der
Stadtverordnetenversammlung am 29. Januar beschlossen werden sollen.
Laut der Ansatzänderung vom 14. Januar möchte die Kämmerei die Zuschüsse des
Brandenburger Theaters ab dem Jahr 2027 einfrieren, was das Theater in eine
bedenkliche, existenzgefährdende mögliche Insolvenzlage bringen würde.
Unabhängig davon wird es bereits in der nächsten Spielzeit zu erheblichen
Einschnitten in der Darstellenden Kunst kommen und den Etat für den
Kultursommer gibt es ab 2026 auch nicht mehr. Hinzu kommt noch, daß der
Haustarifvertrag der Brandenburger Symphoniker 2027 ausläuft. Die Musiker
verzichten seit 15 Jahren auf einen nicht unerheblichen Teil Einkommen und
dadurch auch Rentenanwartschaften um den Erhalt des Orchesters zu unterstützen.
Wir schließen uns ausdrücklich dem Schreiben des Betriebsrates des
Brandenburger Theaters an, der sehr detailreich ist.
Sehr geehrte Stadtverordnete, stellen Sie bitte in der SVV am Mittwoch den Antrag,
den Punkt 2 aus der Ansatzänderungsliste zu streichen, um unser Theater nicht
existentiell zu gefährden! Bedenken Sie dabei auch, daß mit jedem Euro
Kulturförderung ein mehrfaches an Ertrag in die regionale Wirtschaft fließt.
Mit freundlichen Grüßen
Andrea-Carola Güntsch
Vorsitzende “Förderverein Brandenburger Symphoniker e.V.”
Anna Büge
Vorsitzende “Freunde des Brandenburger Theaters e.V.
Neue Musik ist für alle da
Er kannte keine stilistischen Berührungsängste: Im Alter von 88 Jahren ist der Berliner Komponist Karl Heinz Wahren gestorben.Frederik Hanssen
Er wollte mit seinen Kompositionen stets ein möglichst breites Publikum erreichen. Die abstrakt-atonalen Avantgarde der Nachkriegszeit, die bei Fachfestivals in Donaueschingen und Darmstadt gefeiert wurde, war darum seine Sache nicht. Inspiration fand Karl Heinz Wahren eher im Jazz. 1933 in Bonn geboren und in Gera aufgewachsen, kam er 1953 zu Studium nach Berlin und gründete hier 1965 mit Gleichgesinnten die „Gruppe Neue Musik“. Die sah sich als eine Art Selbsthilfeverein für junge Komponisten, die innerhalb des etablierten Musiklebens noch nicht Fuß fassen konnten. Erklärtes Ziel der Gruppe war es, die Kommunikation mit den Zuhörern zu suchen, um zeitgenössische Werke verständlich zu machen, auch durch unkonventionelle Präsentationsformen.
Und Karl Heinz Wahren war durchaus erfolgreich in diesem Bemühen. Als einen Komponisten, „der dann und wann ganz gern, wenn auch nicht ohne Skrupel, im Grenzbereich zwischen E- und U-Musik vagabundiert“, bezeichnete ihn der Tagesspiegel und konnte immer wieder berichten, dass seine „vitale, komplexe und doch eingängige Musiksprache“ bei den Uraufführungen „starken Beifall“ hervorrief. Stücktitel wie „Auf der Suche nach dem verlorenen Tango“, „Brandenburgische Revue“ oder „Suite nach Bildern von Otto Dix“ künden von Wahrens Weg zwischen Populärem und Intellektuellem.
1976 konnte er an der Deutschen Oper Berlin erfolgreich sein erstes Musiktheaterwerk herausbringen: Zusammen mit dem Chefdramaturgen des Hauses, Claus H. Henneberg, hatte er Guy de Maupassants Novelle „Boule de Suif“ (Fettklößchen) als Sujet gewählt. 1987 folgte – als Auftragswerk der Berliner Festspiele zum 750. Jubiläum der Stadtgründung – die satirische Oper „Goldelse“ auf ein Libretto von Grips-Theater-Gründer Volker Ludwig. 1992 schrieb Wahren die Filmmusik für „Ich und Christine“ von Peter Stripp mit Götz George und der blutjungen Christiane Paul in den Hauptrollen, 1995 inszenierte Götz Friedrich an der Deutschen Oper Wahrens Neufassung der Operette „Die schöne Galathée“.
Neben seiner kompositorischen Arbeit war Karl Heinz Wahren aber auch als Lobbyist aktiv, von 1981 bis 2003 saß er im Aufsichtsrat der Urheberrechtsgesellschaft Gema, von 1990 bis 2004 war er Präsident des Deutschen Komponistenverbandes. Im Alter von 88 Jahren ist er jetzt in seiner Wahlheimat Berlin gestorben.
Aus dem Tagesspiegel vom 15.12.2021
Das 4. SiKo der Brandenburger Symphoniker der Spielzeit 20/21 ist unter folgendem Link zu finden: https://youtube.com/watch?v=-Tu8HbIZscs%3Ffs%3D1%26wmode%3Dopaque%26rel%3D0
Mit großer Bestürzung, aber auch mit Ärger haben wir als gesamtes Orchester durch die Pressemitteilung des Brandenburger Theaters erfahren, dass ein Vertragsabschluss mit Olivier Tardy als Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker nicht erfolgen wird. Die Brandenburger Symphoniker hatten nach festgelegtem Verfahren ihre Wahl getroffen, um eine hohe künstlerische Qualität für das Publikum zu gewährleisten.
Wir stellen fest, dass die Geschäftsführung bisher nicht das Gespräch mit dem gesamten Orchester gesucht hat. Entsprechend alarmiert sind wir bei der in der Pressemitteilung des Brandenburger Theaters ausgesprochenen Ankündigung, “die Geschäftsleitung des Brandenburger Theaters wird nun über ein Eilverfahren die Zeit bis zum Sommer nutzen, um einen den Bedürfnissen des Brandenburger Theaters und der Brandenburger Symphoniker angemessenen und würdigen Chefdirigenten zu finden.” Es besteht die große Sorge, dass in einem Eilverfahren kein angemessener Chefdirigent gefunden wird.
Den Umgang des Hauses mit Herrn Tardy ebenso wie mit Herrn Gülke empfanden wir als unwürdig. Seitdem ist die Belegschaft tief gespalten und das Betriebsklima im Theater von Misstrauen und Angst geprägt. Wir halten die Entwicklung der letzten Jahre für den Kulturstandort Brandenburg in der Innen- und Außenwirkung des Brandenburger Theaters für destruktiv.
Ein Orchester ist ein besonderes Kollektiv, das sehr eng und emotional zusammenarbeiten muss. Für diese Zusammenarbeit sind Vertrauen und Zuverlässigkeit Voraussetzung. Der Anspruch, ein qualitativ hohes Niveau zu erfüllen und zu halten, begleitet uns in jede Probe und in jede Aufführung. Eine auf Dauer hochwertige Arbeit des Orchesters kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn dem Chefdirigenten alle dazu nötigen Kompetenzen und die damit verbundene Verantwortung eingeräumt werden, insbesondere hinsichtlich Planung, Einsatz und Ausrichtung des Orchesters. Da die Symphoniker das einzige professionelle Ensemble innerhalb des Theaters sind, ist der Chefdirigent die Schlüsselfigur für diese künstlerisch-musikalische Ausrichtung. Ohne langfristig angelegte Gestaltungsfreiheit wird die künstlerische Entwicklung der Symphoniker massiv behindert und ihre Zukunft aufs Spiel gesetzt. Das Orchester betreffende künstlerische und organisatorische Entscheidungen, die nicht im Einvernehmen mit dem Chefdirigenten getroffen werden, interpretieren wir als Einschränkung eben jenes Freitraumes.
Der Förderverein Brandenburger Symphoniker hat sich lange nicht zu der Situation am Brandenburger Theater geäußert. Gemeinsam mit den Brandenburger Symphonikern möchten wir das nun tun. Äußerungen und Einmischungen in Personalien stehen uns als Förderverein nicht zu. Wir möchten aber gerne etwas zum Verständnis der Bedeutung und Aufgabe eines/einer ChefdirigentIn im Allgemeinen und im Besonderen für die spezielle Situation in Brandenburg beitragen und zusätzlich die “Stellungnahme der Brandenburger Symphoniker” veröffentlichen.
Warum das Rad neu erfinden, wenn das schon jemand getan hat. Auf der website der Berliner Philharmoniker findet sich eine hervorragende Charakterisierung der Aufgaben eines/r ChefdirigentIn, aus der ich zitiere (https://www.berliner-philharmoniker.de/titelgeschichten/20192020/mythos-chefdirigent/)
”…› Der Chefdirigent – oder in letzter Zeit auch zunehmend die Chefdirigentin – ist der »künstlerische Leiter« eines Kollektivs, das an einer höchst diffizilen, nur in individuellen Versuchsphasen zu erreichenden Herstellung symphonischer Musik zu arbeiten hat. Er probiert, lenkt und koordiniert die Prozesse musikalischer Klangfindung und Sinnstiftung. ”…›
”…› Chefdirigent eines Klangkörpers zu sein heißt: die künstlerische Verantwortung für einen musikalischen Organismus innezuhaben, aber auch dessen Wegstrecke über einen längeren Zeitraum zu gestalten. Das setzt eine unmittelbare Nähe zu den Künstlern voraus, das Vertrauen der Musiker, um einer komplexen Institution ästhetische Form und Farbe, den Rhythmus und die inhaltliche Bestimmung zu geben. Musikalisches Können und persönliche Autorität strömen dabei sowohl ins Publikum als auch ins Bewusstsein des Orchesters. So bestimmt der Gestaltungswille des Chefdirigenten nicht nur das Formen der erklingenden Musikwerke und der Programme, sondern ebenso die Konzeption der Konzerte und Tourneen, der Solisten und Gäste einer Spielzeit. In den Blick des Chefdirigenten rücken jedoch auch Fragen der Organisation, die er mit dem Orchester und der Intendanz oder Geschäftsführung abklärt. Außerdem wird er menschliche Probleme und Missverständnisse nicht ignorieren, überhaupt das kreative Wohlbefinden der Musikerinnen und Musiker zu beeinflussen suchen, da es mittelbar auf die Kunstprozesse einwirkt. ”…›
”…› Das Gewicht und die Einflussnahme des Chefdirigenten sind kaum zu überschätzen. Denn er – oder sie – prägt die spezifische Klangsprache, die künstlerische Substanz und Identität seines/ihres Orchesters. Er hilft, die Ausdruckskraft und Aura eines Orchesters entstehen zu lassen und damit den Grad des Erfolges zu mehren. Er verkörpert sogar, wenn seine geistige Wachheit es vermag, die Vision von Gegenwart und Zukunft seines Orchesters. Mit seiner persönlichen Übertragungsfähigkeit wird er zur künstlerischen Schlüsselfigur der Kultur einer Stadt oder eines Landes. ”…›
In der speziellen Situation des Brandenburger Theaters, das leider keine echte eigene Darstellende Sparte mehr hat, kommt der/dem ChefdirigentIn die besonders verantwortungsvolle Aufgabe der fast alleinigen Prägung der künstlerischen Ausrichtung zu. Dies erfordert eine besondere Sorgfalt bei der Suche einer geeigneten Person, die diese Fähigkeiten in sich vereint und zusätzlich den speziellen Herausforderungen einer verfahrenen, aber nicht unlösbaren, Situation der Spaltung und Sprachlosigkeit gewachsen ist. Deswegen sollte mit Bedacht nicht überstürzt eine Person gesucht werden, die den Bedürfnissen der Brandenburger Symphoniker gerecht werden kann.
Häufig hören wir aus Publikum und Belegschaft, dass diese Position vor allem inzwischen nach all den Querelen nicht mehr attraktiv sei. Dem widersprechen wir:
Auf der einen Seite ist die Qualität des Orchesters auf hohem Niveau, auf der anderen Seite gibt es sehr gute andere Argumente für den Wirkungsstandort Brandenburger Symphoniker: Die politische Situation des Hauses ist stabil wie nie zuvor in der Geschichte des Brandenburger Theaters seit der Wende, die Nähe zur Hauptstadt, die Zusammenarbeit mit der Universität der Künste und die internationale Strahlkraft des Komponistenwettbewerbes ‚Brandenburger Biennale‘ sind zusammen mit der Schönheit von Stadt und Landschaft ein sehr gutes Argument, sich hier einzubringen und niederzulassen.
Andrea-Carola Güntsch
Die „Studi per violino“ komponierte Vittorio Zago im Jahre 2004 und sie zählen nach seiner eigenen Aussage zu seinen besten Stücken. Sie sind sehr virtuos geschrieben und reichen zum Teil in der technischen Schwierigkeit an die Capricen von Niccolò Paganini heran, wenn auch in einer völlig anderen Tonsprache.
Studio 3 ist eine Abfolge von Tonleiterskalen, die harmonisch ständig wechseln und durch eingeschobene Akzente und dynamische Abstufungen variiert werden. Es entsteht der Eindruck einer flüssigen Bewegung in flüchtigem Charakter. ( Liquido, scorrevole e sfuggente)
Studio 5 ist eine Flageolett-Studie, gegliedert in einen 1.Teil , mit sich verdichtender rhythmischer und dynamischer Struktur und einem 2.Teil (con sordino), der wie in einem Abgesang in eine Reminiszenz von Studio 3 mündet. Aus einer eisigen Atmosphäre wechselt der Satz in einen warmen und verbindlichen Tonfall.
Studio 1 ist eine Triolenstudie mit großen Intervallsprüngen. Sie wird im Mittelteil durch abrupte fortissimo-Einwürfe unterbrochen und mündet in eine Vierteltonpassage in höchster Lage in dreifachem Forte. Eine Coda mit Stretta-Charakter beschließt das sehr virtuos gehaltene Studio 1.
Andreas Preißer
http://www.youtube.com/watch?v=OQwJnxXnuaY
http://www.youtube.com/watch?v=iqfGbW3srUc
http://www.youtube.com/watch?v=wcwBGZHNvOk
Youtube-Links von „saxsingspiel“
http://youtu.be/cNpKaiHRl5Y
So 11.1.2015 um 16:30 Uhr Studiobühne des Brandenburger Theaters
Al Voleo, vier Musiker aus Argentinien, Brasilien, Uruguay und Italien haben im Tango eine musikalische und kulturelle Identifikation gefunden. Bei diesem Quartett steht das Saxophon für das Bandoneon vom „Orquesta Típica“, gibt eine Originalität und Erfrischung, verbunden mit ganz neuen Klangmöglichkeiten und im Quartett mit Violine, Kontrabass und Piano wird ein Repertoire von traditionellen „Milonguitas“ bis Astor Piazzolla und noch weiter gehend bis zu brasilianischen Tangos von Ernestor Nazareth meisterhaft umgesetzt. Damit haben die vier 2009 den ersten Preis beim Libertango- Wettbewerb, Kategorie Ensemble, im italienischen Manciano eingespielt.
Sabina Egea Sobral, Saxophon
Juan Salvador Raya Castellano, Geige
Fabio Caggese, Kontrabass
Sergio Pontes, Klavier